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Bundesliga, LaLiga & Indien: Die einen diskutieren, die anderen ergreifen die Chance!

Die LaLiga erkennt die Zeichen der Zeit und positioniert sich in Indien, während die Bundesliga noch über den Zielmarkt redet und diskutiert. Verschläft die Bundesliga den richtigen Zeitpunkt sich langfristig und erfolgreich in Indien zu etablieren? Ein kritischer Blick von Arunava Chaudhuri und Chris Punnakkattu Daniel .

Die Internationalisierung im Fußball ist heute mehr denn je ein wichtiges Thema, welches Profivereine und Ligen beschäftigt. Die Premier League hat frühzeitig die Notwendigkeit erkannt sich der Internationalisierung annehmen zu müssen. Das Resultat ist heute ein unbezahlbarer Vorsprung gegenüber den anderen europäischen Topligen.

125.000 begeisterte Fans bejubeln die Stars des FC Bayern München und von Mohun Bagan AC in Kalkutta, Indien im Jahre 2008. (© arunfoot / CPD Football)

Als Hauptzielmärkte der Internationalisierung gelten die USA und China. Bei der Identifikation weiterer Zielmärkte wird seit vielen Jahren auch Indien genannt. Ein Markt mit mehr als 1,3 Milliarden Einwohnern, einer schnell wachsenden Mittelschicht und einer fast 150-jährigen Fußballtradition. Ein Land, in dem Fußball der am schnellsten wachsende Sport ist. Allein der der Erfolg der Indian Super League (ISL) ist ein Beleg dafür: Durchschnittlich 27.000 Besucher pro Spiel, hohe TV-Quoten und gestiegene Sponsoringumsätze.

Lieber 50. Verein in den USA, statt First Mover in Indien

Während der FC Bayern München, die TSG 1899 Hoffenheim (Video – Reisebericht) und der VfL Bochum in Form von Freundschaftsspielen und sozialen Engagements bereits in Indien Präsenz gezeigt haben, zögern Bundesligavereine in den Markt zu treten. Es wird diskutiert und festgestellt, dass Indien ein Zielmarkt ist. Doch kein Verein traut sich aktuell die Initiative zu ergreifen. Stattdessen wird der Fokus auf Aktivitäten und Investitionen in den USA und China gelegt, wo bereits die großen Vereine aktiv sind und vermeintlich kleinere Vereine es schwer haben sich zu behaupten. Ob ein langfristiger Erfolg in diesen Ländern möglich ist erscheint sehr fraglich.

Unvergessliche Momente für Oliver Kahn in Kalkutta, Indien im Jahre 2008. (© arunfoot / CPD Football)

Der FC Bayern München ist bis dato der einzige europäische Verein, der einen Versuch unternommen hat, den indischen Markt über einen längeren Zeitraum zu erschließen. Nach der durchaus guten Vorarbeit hat sich der deutsche Rekordmeister dann jedoch strategisch neu orientiert und den Fokus auf die USA und China gelegt. Somit gilt weiterhin: Wer zuerst ernsthaft und langfristig in Indien tätig wird, der wird auch Erfolge aufweisen können – sowohl kommerziell, als auch sportlich in Form von Talenten. Wer darauf hofft und wartet, aktiv von indischer Seite „abgeholt“ zu werden, wird enttäuscht. Der Antrieb in Indien erfolgreich zu sein, muss aus Europa kommen. Das haben nun die LaLiga und eine Vielzahl von spanischen Vereinen verstanden. Dabei sprechen wir nicht nur von den großen Vereinen wie dem FC Barcelona, Real Madrid oder Atlético Madrid, sondern von einer Vielzahl von kleinen Vereinen. Sie sehen die berechtigte Chance Indien noch vor der europäischen Konkurrenz für sich zu gewinnen.

Die spanische Offensive in Indien

Roberto Firmino, Andreas Beck und Eugen Polanski während der TSG 1899 Hoffenheim Indienreise im Jahre 2014. (© arunfoot / CPD Football)

Atlético Madrid ist als 20-prozentiger Anteilseigner von Atlético de Kolkata bereits seit 2014 in der Indian Super League aktiv. Eine erfolgreiche indisch-spanische Zusammenarbeit, die nun intensiviert wird. Die LaLiga eröffnet ein Auslandsbüro in der Hauptstadt Neu-Delhi, um gezielt ihre Aktivitäten auf dem Subkontinent zu steuern und zu vermarkten. Immer mehr spanische Fußballer und Trainer sind in der Indian Super League und der I-League tätig. Sie vermitteln ihr Know-how und zudem eine Bindung zum spanischen Fußball, wie es auch die Real Madrid Ikonen Roberto Carlos und Míchel Salgado tun. Spanische Vereine wie CD Leganes und Villarreal CF haben in den vergangen Wochen indische Talente verpflichtet und/oder ausgeliehen, während weitere Vereine indische Spieler über mehrere Wochen mittrainieren lassen. Zweitligisten wie Córdoba CF kooperieren mit indischen Jugendakademien um indische Kinder zu trainieren, um dann die besten Kinder intensiv in Spanien zu fördern. Zudem werden Veranstaltungen wie das Public Viewing zum „El Clásico“ am 3. Dezember organisiert, bei denen in Mumbai und Neu-Delhi über 20.000 Fans ihre Stars lautstark angefeuert haben.

Begeisterte Fußballfans begrüßen die TSG 1899 Hoffenheim auf dem Weg von Flughafen in die Innenstadt von Aizawl, Indien im Jahre 2014. (© arunfoot / CPD Football)

Die spanischen Aktivitäten werden sehr positiv in Indien wahrgenommen und laut LaLiga soll dies nur ein erster Anfang sein. Die LaLiga kann sich berechtigte Hoffnungen machen, sich langfristig in Indien als Nummer 1 zu etablieren, wenn sie ihre Aktivitäten tatsächlich mit Weitsicht umsetzen und wenn andere Ligen nicht ihrerseits schnellstens beginnen ernsthaft in Indien aktiv zu werden.

Die Premier League ist auf dem Subkontinent noch immer die am meisten verfolgte europäische Fußballiga. Jedoch holt die spanische LaLiga mit ihren Zugpferden Real Madrid und FC Barcelona mit schnellen Schritten auf, während die Bundesliga den Anschluss verliert.

Die Bundesliga steht für Qualität

Die Bemühungen der spanischen Liga und Vereine sind noch recht frisch und andere Ligen haben die Möglichkeit jetzt zu reagieren und selbst aktiv zu werden. Wir sehen das nicht nur als Kinder und Liebhaber der Bundesliga, sondern auch als Experten des indischen Fußballs das große Potential der deutschen Erst- und Zweitligisten sich in Indien langfristig zu etablieren. Deutscher Fußball steht in Indien für Qualität. Die exzellente Jugendarbeit, die herausragende Trainerausbildung und die professionellen Strukturen der Bundesliga und des amtierenden Weltmeisters genießen in Indien ein hohes Ansehen.

Unterzeichung eines Kooperationsvertrages zwischen der Deutschen Fußball-Liga (DFL) und der All India Football Federation (AIFF) in Neu-Delhi, Indien im Jahre 2006. (© arunfoot / CPD Football)

Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) hat bereits im Dezember 2006 mit unserer Hilfe einen Kooperationsvertrag mit dem indischen Fußballverband, der All India Football Federation (AIFF), abgeschlossen. Darauf folgten mehrere deutsch-indische Fußball-Liaisons über die wir im Rahmen eines ausführlichen Internationalisierungsberichts und Zielmarktanalyse im SPONSORs Magazin („Reiseführer Indien“; September 2016) berichteten.

Wie „sexy“ die Bundesliga und ihre Vereine sein können hat die Indienreise der TSG 1899 Hoffenheim in 2014 gezeigt. Eine Reise der Profimannschaft nach Indien ist der erste wichtige Schritt, um sich als Verein und als Marke vor Ort bekannt zu machen und den Grundstein für zukünftige Aktivitäten zu legen. Solch eine Aktivierungsreise ist für Bundesligavereine inzwischen auch aus finanzieller Sicht lukrativ, da sie keine Ausgaben ihrerseits haben.

Eine unglaubliche Stimmung beim Freundschaftsspiel zwischen der Mizoram XI und der TSG 1899 Hoffenheim im Stadion von Aizawl, Indien im Jahre 2014. (© arunfoot / CPD Football)

Nachhaltigkeit ist der Schlüssel zum Erfolg

Indien ist immer noch ein offener Markt. Das heißt, dass sich die Mühe lohnt, sich ernsthaft mit Indien auseinanderzusetzen und eine nachhaltige Indienstrategie zu entwickeln. Und genau hier sehen wir die große Stärke des deutschen Fußballs gegenüber anderen Ligen. In unserem Austausch mit Vereinen und Ligen stellen wir fest, dass deutsche Vereine gerne dem Punkt Nachhaltigkeit eine große Gewichtung geben. Die Nachhaltigkeit des spanischen Vorstoßes in Indien wird sich erst in der Zukunft zeigen. Doch eine Liga wie die Bundesliga und ihre Vereine können es sich unserer Meinung nach nicht erlauben, abzuwarten und zu schauen, was die LaLiga macht. Denn am Ende steht ein uneinholbarer Vorsprung der LaLiga in einem Milliardenland wie Indien!

Philipp Lahm, Jupp Heynckes, Baichung Bhutia und Michael Perschke während einer Pressekonferenz in Neu-Delhi, Indien im Jahre 2012. (© arunfoot / CPD Football)

Internationalisierung ist in der heutigen Zeit sehr wichtig ist – vor allem in einem Sport wie dem Fußball. Der Hauptzielmarkt bleibt ohne Zweifel der heimische Markt. Die eigene Stadt, Region und Deutschland. Der zweite Zielmarkt ist das Ausland. Nur so kann man auch dem steigenden finanziellen Konkurrenzkampf standhalten.

Jetzt ist die Zeit zu handeln

Zielmärkte wie die USA und China sind wichtig und die Bundesliga muss sich auch hier zeigen. Jedoch läuft man Gefahr Zeit und Geld in Märkte zu investieren, in denen bereits (zu) viele Vereine einen Anteil am Kuchen abgreifen möchten. Das hat die Konkurrenz in Spanien erkannt und nutzt ihre Chance in Indien. Wenn die Bundesligavereine jetzt nicht reagieren, werden sie in naher Zukunft in Indien das gleiche Problem antreffen wie in den anderen Märkten. Jetzt können Vereine noch frühzeitig als mit einer der Ersten den indischen Markt erschließen. Doch wer zu spät kommt wird auch hier bestraft.

Video: Indienreise der TSG 1899 Hoffenheim



Autoren
Arunava Chaudhuri und Chris Punnakkattu Daniel sind zwei deutsche Fußballexperten mit indischen Wurzeln mit einer über 18-jährigen Karriere im Fußball. Ihren Anfängen als Sportjournalisten folgte eine Tätigkeit in den Bereichen Projektentwicklung & -management, Beratung und Öffentlichkeitsarbeit mit einer besonderen Expertise für Indien. Sie zeichnen sich unter anderem verantwortlich für Indienprojekte des DFB, der DFL, der Vereine FC Bayern München und TSG 1899 Hoffenheim und Tätigkeiten für internationale Vereine und Verbände wie die All India Football Federation.

About Arunava Chaudhuri

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